Eine Lesung - mitten im Chaos
Ein Nachmittag in Eime – zwischen improvisierten Übergängen, Kinderlärm und überraschend schönen Begegnungen.

Wir hatten einen Plan.
Einen Ablauf, Übergänge, eine Vorstellung davon, wie dieser Nachmittag verlaufen sollte.
Dass sich bei Veranstaltungen Dinge kurzfristig ändern, ist nichts Ungewöhnliches. Als Künstlerin ist man es gewohnt, auch fünf Minuten vor Beginn noch auf neue Situationen zu reagieren und Abläufe anzupassen. Ein gewisses Maß an Flexibilität gehört einfach dazu.
Was jedoch schwieriger wird, ist etwas anderes: Wenn plötzlich alles dem Künstler selbst überlassen bleibt. Übergänge. Orientierung. Moderation. Hinweise an das Publikum.
Hinzu kam das eigenwillige Setting der gesamten Veranstaltung. Eine lockere, ungezwungene Atmosphäre ist sicher eine gut gemeinte Idee – in der Praxis entsteht daraus jedoch schnell ein ziemliches Durcheinander.
Der Raum wird ständig verlassen und wieder betreten, im Publikum wird gegessen, Kinder schreien, Türen gehen auf und zu. Für den Vortragenden erschwert das die Konzentration erheblich. Eine Atmosphäre aufzubauen, in der eine Geschichte wirken kann, wird unter solchen Bedingungen fast unmöglich.
Dazu kommt ein weiteres Problem: Wenn Menschen den Raum zwischendurch verlassen, fehlen ihnen wichtige Teile der Erzählung. Fragen tauchen plötzlich aus dem Publikum auf – Fragen, die ich zu Beginn des Abschnitts bereits beantwortet hatte. Nur war der Fragende in diesem Moment vielleicht gerade nicht im Raum.
So entsteht eine Situation, in der der Erzähler immer wieder neu ansetzen muss, während gleichzeitig versucht wird, den roten Faden der Geschichte nicht zu verlieren.
Selbst für erfahrene Künstler ist das keine Kleinigkeit – und vor allem kein besonders wertschätzender Umgang mit der Arbeit, die hinter einer Lesung steht.

Am Ende saßen nur noch wenige Menschen im Publikum. Ich war mir nicht sicher, ob der dritte Teil meines Vortrags überhaupt noch gewünscht war und fragte schließlich nach.
Aber was sollte man darauf auch antworten.
Auch meine Verabschiedung verlief anders als erwartet.
Noch bevor der Soundtrack zu meinem Buch zu Ende gespielt war, wurde die Musik plötzlich abgebrochen. Angeblich gab es technische Probleme.
Ein Moment, der mich ehrlich gesagt ziemlich irritiert hat. So etwas habe ich bisher noch nicht erlebt.
Umso beruhigender war es, dass die Zusammenarbeit mit DJ Steven ansonsten sehr gut funktioniert hat. Die Übergänge während der Lesung waren zuverlässig abgestimmt, und das hat mir in diesem ganzen Durcheinander zumindest ein Stück Sicherheit gegeben.
Trotzdem gab es am Ende auch diese kleinen Begegnungen.
Menschen, die noch einmal zu mir kamen, sich bedankten, Fragen stellten oder erzählten, dass sie die Geschichten berührt haben.

Und auch einige Kinder freuten sich über Raku, die Postkarten und die kleinen Tütchen mit den Porzellanscherben und Bonbons.
Und der Gedanke, der mir später kam:
Vielleicht sitzt jetzt irgendwo jemand mit meinem Buch in der Hand und liest...
hat mich wieder versöhnt.





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