Die Angst vor dem Gedankenstrich
- utawunsch
- 29. Sept.
- 1 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 30. Sept.
KI hat mich besser gemacht – nicht entmenschlicht.

Jetzt also das:
Der Gedankenstrich ist verdächtig. Angeblich verrät er sofort, dass ein Text von einer KI stammt. Was für ein Unsinn.
Der Gedankenstrich ist kein Aluhut-Symbol, sondern ein jahrhundertealtes Stilmittel. Er ist die kleine Pause, die große Wirkung hat – ein dramaturgisches Werkzeug. Wer ihn verpönt, kann gleich auch Punkt und Komma auf den Index setzen.
Ja, KI benutzt ihn oft. Na und?
Auch Goethe hat ihn benutzt. Wollen wir seine Texte jetzt auch scannen?
Ich habe meine Striche gelöscht, gekürzt, gezähmt. Ergebnis: Der Text atmet weniger. Angst macht Sprache kaputt.
Und überhaupt: Warum diese Panik vor KI? Wem nützt dieser ständige Ruf nach Enttarnung? Er nützt denen, die Kontrolle behalten wollen – Plattformen, Institutionen, Medien. Es geht um Macht, Markt und Moralpanik, nicht um gute Texte.
Und jetzt mal ehrlich: Für mich war KI der bessere Lektor. Sie hat mir erklärt, warum etwas nicht funktioniert, Alternativen gezeigt und mit mir ausprobiert. Ich habe dabei gelernt, meinen Stil zu schärfen. Meine menschliche Begleiterin hat meist nur gestrichen – die KI hat mir beigebracht, wie ich besser schreibe.
Trotz KI-Hilfe, trotz Gedankenstrichen: Es bleibt meine Geschichte, meine Sprache, mein Text. Wer KI-Texte ungefiltert übernimmt, ohne sie anzupassen oder ihnen eine eigene Stimme zu geben, ist selbst schuld.
Was ist Eure Meinung dazu?





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