Wenn Geschichten reifen müssen – Teil 2
- utawunsch
- 27. Okt.
- 2 Min. Lesezeit
Wer den ersten Beitrag kennt, weiß: Ich nehme meine Leser gern mit hinter die Kulissen. Heute erzähle ich, wie Erbarmungslos entstand – zwischen neuen Perspektiven, viel Recherche und dem Mut, ganz allein weiterzuschreiben.
Manchmal reifen nicht nur Geschichten, sondern auch ihre Autorinnen.

Noch bevor ich Teil 1 beendet hatte, merkte ich, dass ich mich neu aufstellen musste. Meine Lektorin und ich redeten zunehmend aneinander vorbei, verstanden uns nicht mehr. Also trennte ich mich – mitten im Prozess. Plötzlich war ich auf mich allein gestellt.
Gerade weil Erbarmungslos so vielschichtig werden sollte, war das eine doppelte Herausforderung. Ich stellte mir Fragen, die ich bisher nie beantworten musste: Aus welcher Perspektive erzähle ich weiter? Muss sie identisch bleiben mit Band 1? Darf ich sie verändern? Kann ich sogar mehrere Blickwinkel miteinander verweben?
Hinzu kam, dass sich die Geschichte über einen langen Zeitraum erstreckt. Ich erzähle zwei Leben – das von Emilia und das von Jason – über mehrere Zeitebenen hinweg und getrennt voneinander. Der Roman setzt dort an, wo Band 1 im Jahr 1978 endete. Dann folgen 1980 (Emilia), 1981–1982 (Emilia) und schließlich 1984 (Jason). Ab 1993 verlaufen ihre Leben zwar weiterhin getrennt, aber erstmals wieder parallel in derselben Zeit.
Diese Struktur bleibt auch in Teil 3 bestehen – dort beginnt für beide die Geschichte im Jahr 2015. Solche Zeitsprünge und gleichzeitig ablaufenden Prozesse in eine lineare, leserfreundliche Form zu bringen, war eine der größten Herausforderungen für mich beim Schreiben.
Gemeinsam mit ChatGPT habe ich getüftelt, ausprobiert und schließlich einen unkonventionellen Versuch gewagt: mehrere Erzählperspektiven in einem Band zu vereinen. Ob dieser Bruch mit dem Gewohnten angenommen wird, wird sich zeigen – aber er fühlte sich richtig an.
Auch die Recherche nahm diesmal viel Raum ein.
Teil 1 spielte in einer Welt, die ich gut kannte – inspiriert von meinem früheren Zuhause. Doch für Teil 2 musste ich tiefer graben: Ich prüfte alte Poststellen, sprach mit einem Kommissar über rechtliche Details (mehr kann ich dazu nicht verraten, sonst Spoiler), und beschäftigte mich mit den Besonderheiten der Insel, auf der Jason landet. Selbst die fiktiv-mystischen Elemente sollten real nachvollziehbar bleiben – etwa die flüssigen Magnete, über die ich lange recherchierte.
Und dann sind da noch die Jahreszahlen. Wenn Emys Geschichte 1981 beginnt, kann Jasons Einsatz erst 1984 starten – denn der Film Ghostbusters, auf den ich Bezug nehme, kam eben erst in diesem Jahr in die Kinos. Solche Kleinigkeiten wirken unscheinbar, doch sie halten den inneren Zeitfaden zusammen.
Erbarmungslos war in jeder Hinsicht ein Reifeprozess: kreativ, handwerklich und persönlich. Manchmal brauchen Geschichten Zeit und den Mut, sie sich zu nehmen.
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Eure Noa Zahira





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